GK Physik bei Herrn Mueller oder: Ein Ausflug ins Indianerreservat

Das erste was die Indianer nach ihrer Ankunft im Reservat lernten war, daß Häuptling Manni Mueller die Fenster erst schließt, wenn die letzte Rothaut (meist Thieri) eingetroffen ist.

Die Kälte im Winter sollte für die anderen anscheinend eine Art überlebenstraining darstellen. Trotz des Wunsches des Kursleiters auf einen Elitekurs, hatte er mit vielen Quer- und übereinsteigern zu kämpfen, die er trotz aller Bemuehungen nicht mehr los wurde. Aber schließlich muß jeder Schueler zu seinen Entscheidungen stehen. Bei fehlender Motivation erinnerte er seine Schueler nur allzu gerne, daß diese schließlich nach Neigung und Interesse wählten. Daß für manche Schueler Physik nur das kleinere uebel darstellte zählte nicht. Eigentlich wollte er sowieso einen Leistungskurs, der aber nicht zustande kam. So mußte er sich zum ersten Mal mit einem (in der KS I sogar mit zwei) Grundkursen begnuegen. Sein Fazit nach fast zwei Jahren: Er hätte nicht gedacht, daß die Motivation so schlecht ist. Aber gluecklicherweise gab es ja doch noch die Elite in der letzten Reihe, natuerlich nur männliche Indianer. Doch bei der Visite des Oberhäuptlings “Großer Wagner” griff er unverständlicherweise lieber auf die ersten beiden Reihen zurueck, was natuerlich zu einer Blamage wurde. Als Folge davon wurde in einer Stunde nur eine Teilaufgabe gelöst. Weitere Merkmale von MM waren sein nervöses Auf- und Abgehen mit zwischenzeitlichem Sitzen auf einem Tisch in der ersten Reihe, seine Kritik am Kollegstufensystem und, daß er nach eigenen Berichten ein bis zwei Stunden bevor er das Haus verläßt aufsteht, um genug Zeit zum frühstuecken zu haben. Oft durften sich seine Schueler auch über die neuesten Erkenntnisse aus verschiedenen Studien informieren lassen. Das Resultat war, daß wir einfach dumm sind und gegen einen Japaner niemals eine Chance hätten. Die einzigen Zukunftsaussichten hätten wir eh nur als Ingenieur oder Arzt mit Spezialgebiet Lungen- oder Hautkrebs. Das schlimmste was es überhaupt gibt sind Raucher oder Frauen, die glauben in Physik eine Chance zu haben. Wenn eine dennoch glaubte auch in Physik Leistung bringen zu können, duerfte sie ihr Können an einer Prozentaufgabe testen und wurde so wieder auf den Boden der Tatsachen zurueckgebracht. Um den Unterricht anschaulich zu gestalten und den weiblichen Teilnehmern eine Möglichkeit zu bieten dem Stoff ebenfalls zu folgen, personifizierte er physikalische Phänomene oder brachte Aussprueche wie “Photonen eines Mittelwellensenders registrieren wir nicht, genauso wenig wie wenn uns eine Bakterie gegen die Stirn läuft.”. Weitere Kommentare waren “Du brauchst keine praktischen uebungen zur Akustik machen.” (wenn ein Schueler einmal etwas lauter war) oder Zitate aus dem Lehrplan. Typisch für Häuptling Mueller ist außerdem, daß er grundsätzlich keine Aufgaben aus dem Buch stellt, sondern nur Blätter mit selbsterfundenen austeilt. Auch kann man davon ausgehen, daß eine begonnene Numerierung von überschriften auf keinen Fall fortgesetzt wird (d.h. auf erstens folgt kein zweitens, auf a) kein b)). Es waren zwar ein bzw. zwei unterhaltsame Jahre, doch Leute, die Wert auf einen durchstrukturierten Unterricht legten, waren hier fehl am Platz. Dagegen sind Leute, die ohne Plan und für jedes Chaos offen sind, auch in Zukunft herzlich Willkommen im Indianerreservat von Häuptling Manni Mueller.